Ich verwende Sigma EF-Objektive an Canon R-Kameras – warum?

xr5 9220

Warum ich überhaupt bei SIGMA EF-Objektiven gelandet bin

Als ich mir meine SIGMA Festbrennweiten mit 35, 50 und 85 mm gekauft habe, war die Situation beim Canon RF-System noch eine ganz andere als heute. Gerade bei den lichtstarken Festbrennweiten war die Auswahl überschaubar und ein 35mm oder 85mm der L-Serie gab es für das RF-Bajonett zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Das Canon RF 50mm F1.2 L USM hatte ich mir damals allerdings ausgeliehen und gar keine Frage, das ist ein richtig tolles Objektiv. Die Verarbeitung, der Autofokus, die Abbildungsleistung und natürlich die Lichtstärke von f/1.2 – da gibt es wenig zu meckern. Es gab für mich nur ein ziemlich gewichtiges Problem – den Preis. Rund 2.800 Euro standen damals für dieses eine Objektiv im Raum, und ziemlich genau diese Summe hatte ich für meine drei SIGMA ART Festbrennweiten mit 35, 50 und 85 mm zusammen bezahlt. Und an diesem Punkt muss man sich einfach fragen, wie viel einem der letzte Rest an Leistung tatsächlich wert ist.

Drei Objektive zum Preis von einem

Natürlich kann man ein Canon RF 50mm F1.2 L USM und ein SIGMA 50mm F1.4 DG HSM Art nicht ausschließlich anhand des Preises vergleichen. Das Canon bietet f/1.2 statt f/1.4, es ist ein natives RF-Objektiv und gerade bei Offenblende ist das Bokeh noch einmal etwas weicher.

Aber wir bewegen uns für mich dabei in einem Bereich, in dem die Unterschiede immer kleiner werden, während die Preisunterschiede immer größer werden. Mein SIGMA 50mm F1.4 Art kostete damals ungefähr 800 Euro, und wenn ich beide Objektive vergleiche, sehe ich beim Canon durchaus Vorteile – nur eben keine Vorteile, die für mich einen Mehrpreis von rund 2.000 Euro rechtfertigen.

Nicht jeder Fotograf ist ein hochbezahlter Starfotograf oder Canon-Botschafter, der sich solche Objektive problemlos leisten kann oder sie möglicherweise zur Verfügung gestellt bekommt. Deshalb hatte ich beschlossen, mir für die 2.800 Euro lieber die drei SIGMA Festbrennweiten zu kaufen.

Der EF-RF-Adapter – für mich überhaupt kein Problem

Ein Argument für native RF-Objektive ist natürlich, dass man sie direkt an die Kamera setzt und fertig. Bei meinen SIGMA EF-Objektiven sitzt zwischen Kamera und Objektiv dagegen der EF-RF-Adapter, aber ganz ehrlich: Ich arbeite inzwischen seit Jahren damit und kann darin praktisch keinen Nachteil erkennen. Da wackelt nichts, da hat sich nichts gelockert und die Verbindung zwischen Kamera, Adapter und Objektiv sitzt bis heute bombenfest.

Natürlich wird die Kombination dadurch etwas länger und man hat ein zusätzliches Bauteil zwischen Kamera und Objektiv, in der Praxis interessiert mich das allerdings herzlich wenig – ich setze das Objektiv an, fotografiere und fertig.

Ja, beim Autofokus haben native RF-Objektive Vorteile

Beim Autofokus gibt es natürlich schon Unterschiede – ein natives RF-Objektiv kommuniziert unmittelbar mit dem RF-System und gerade ein hochwertiges Canon RF-L-Objektiv greift ausgesprochen schnell und sicher – der Autofokus beißt sich regelrecht am Motiv fest.

Meine SIGMA EF-Objektive über den Adapter sind in dieser Hinsicht nicht ganz auf demselben Niveau – aber die entscheidende Frage ist für mich nicht, ob ein RF-Objektiv besser ist, sondern ob der Unterschied in meiner fotografischen Praxis wirklich relevant ist. Und da lautet meine Antwort meistens: nein. Auch mit meinen SIGMA ART Objektiven greift der Autofokus sehr zuverlässig und ich habe nur selten Situationen, in denen er nicht sitzt.

Ob das Canon nun gefühlt eine Hundertstelsekunde schneller am Motiv hängt, ist für mich bei den allermeisten Aufnahmen vollkommen unerheblich. Wer Sport, rasend schnelle Action oder andere Motive fotografiert, bei denen wirklich jede Millisekunde zählt, wird das natürlich anders beurteilen – für meine Fotografie ist dieser Unterschied jedenfalls kein Grund, mehrere Tausend Euro zusätzlich auszugeben.

Und wie sieht es mit der Schärfe aus?

Ich habe dafür keine Testcharts fotografiert, keine Linienpaare gezählt und auch keine Bilder bei 400 Prozent nebeneinandergestellt. Meine Einschätzung ist deshalb ausdrücklich subjektiv und kommt schlicht aus meiner jahrelangen Arbeit mit diesen Objektiven: Die SIGMA ART Festbrennweiten sind bombenscharf.

Natürlich kann ich bei einem direkten Vergleich Unterschiede finden und selbstverständlich darf ein Canon RF 50mm F1.2 L USM bei seinem Preis und seinem konstruktiven Aufwand auch besser sein. Aber ich könnte aus meinen eigenen Bildern nur schwer ableiten, dass das Canon so viel schärfer wäre, dass daraus für mich ein entscheidender praktischer Vorteil entsteht. Die Schärfe meiner SIGMA Objektive reicht mir nicht nur aus, sie ist sehr gut – und wenn ich bei einem Bild tatsächlich einmal etwas mehr Schärfe möchte, gibt es spätestens in der Bildbearbeitung genügend Möglichkeiten, noch ein wenig nachzuhelfen.

Mein Fazit

Für mich gibt es deshalb bis heute keinen Grund, meine SIGMA EF-Objektive auszusortieren. Ich bekomme mit ihnen eine hervorragende Bildqualität, einen zuverlässigen Autofokus und mit dem EF-RF-Adapter eine Verbindung zur Kamera, die seit Jahren völlig problemlos funktioniert.

Native RF-Objektive haben ihre Vorteile und gerade die hochwertigen L-Objektive von Canon sind ohne Zweifel hervorragende Werkzeuge – aber hervorragende Technik muss für mich immer noch in einem vernünftigen Verhältnis zum Preis stehen. Wenn ein Objektiv 2.000 Euro mehr kostet, möchte ich diesen Unterschied nicht nur auf einem Datenblatt oder im direkten Laborvergleich erkennen können, sondern auch in meinen Bildern. Und genau da wird es für mich schwierig. Meine SIGMA ART Festbrennweiten machen seit Jahren genau das, was sie sollen – und solange das so bleibt, dürfen sie auch weiterhin über den Adapter an meinen Canon R-Kameras hängen.

Vielleicht interessiert dich auch: Brauche ich wirklich eine 85mm Festbrennweite?

Kalle – verpasse keinen neuen Beitrag

???? Deine E-Mail wird nur für die Information
über neue Beiträge verwendet.
Kein Spam. Jederzeit abbestellbar.

Schreibe einen Kommentar