Kameraautomatik oder manueller Modus?

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Am Anfang darf die Kamera übernehmen

Wenn man mit der Fotografie anfängt, halte ich den Automatikmodus nicht nur für völlig in Ordnung, sondern sogar für sinnvoll. Schließlich gibt es am Anfang genug andere Dinge, mit denen man sich beschäftigen muss. Wie halte ich die Kamera möglichst ruhig? Wie bekomme ich mein Motiv vernünftig in den Sucher? Was soll überhaupt alles aufs Bild und was besser nicht? Wie wirkt ein anderer Bildausschnitt?

Dazu kommt die Kamera selbst mit ihren Tasten, Menüs und Funktionen. Da muss man sich nicht auch noch vom ersten Tag an Gedanken darüber machen, welche Werte für Blende, Verschlusszeit oder ISO gerade die richtigen sind. Die Automatik nimmt einem einen Teil dieser Arbeit ab und man kann sich zunächst auf das konzentrieren, worum es eigentlich geht: fotografieren und ein Gefühl für Bilder entwickeln.

Der nächste Schritt bringt mehr Kontrolle

Irgendwann kommt meistens der Punkt, an dem die Vollautomatik nicht mehr reicht. Man möchte selbst bestimmen, wie das Bild aussehen soll, ohne gleich sämtliche Einstellungen übernehmen zu müssen. Genau dafür finde ich die verschiedenen Programmautomatiken ideal.

Mit der Blendenvorwahl kann ich beispielsweise selbst entscheiden, ob ich mit weit geöffneter Blende fotografieren und den Hintergrund stärker verschwimmen lassen möchte oder ob ich die Blende weiter schließe, weil mehr Bereiche des Bildes scharf sein sollen. Die Kamera kümmert sich währenddessen um den Rest. So bekommt man Stück für Stück mehr Kontrolle über das Ergebnis und versteht gleichzeitig immer besser, was die einzelnen Einstellungen eigentlich bewirken. Für mich ist das ein sinnvolle Brücke zwischen „die Kamera macht alles“ und „ich mache alles selbst“.

Irgendwann muss das M her

Wenn man sich eine Weile mit Blende, Verschlusszeit und ISO beschäftigt hat und die Zusammenhänge versteht, kommt irgendwann der Moment, an dem man das Wahlrad auf M stellt. Jetzt bestimmt die Kamera nicht mehr, wo es langgeht, sondern man hat alles selbst im Griff.

Ändere ich die Blende, verändert sich nicht nur die Belichtung, sondern auch die Schärfentiefe. Ändere ich die Verschlusszeit, beeinflusse ich gleichzeitig die Darstellung von Bewegung. Und irgendwo spielt dann auch noch der ISO-Wert mit.

Genau dabei lernt man aber sehr viel darüber, wie eine Belichtung überhaupt zustande kommt. Wenn man das irgendwann verstanden und halbwegs sicher im Griff hat, fühlt sich der manuelle Modus ziemlich gut an. Bei mir war es jedenfalls so. Irgendwann fotografierte ich ausschließlich manuell und fühlte mich als Profi, der die Kamera voll beherrscht.

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Manuell fotografieren heißt nicht, alles manuell einstellen zu müssen

Heute sehe ich das etwas entspannter. Ich fotografiere nach wie vor im manuellen Modus, lasse inzwischen aber in gewissen Situationen den ISO-Wert von der Kamera automatisch bestimmen. Das klingt zunächst vielleicht nach einem Widerspruch, ist für mich in der Praxis aber ausgesprochen hilfreich.

Blende und Verschlusszeit bestimme weiterhin ich und damit genau die beiden Werte, die für die Bildwirkung und die Vermeidung von Bewegungsunschärfe besonders wichtig sind. Den ISO-Wert darf die Kamera anschließend so anpassen, dass die Belichtung stimmt. Damit gebe ich keineswegs die Kontrolle über meine Aufnahme ab. Ich lasse die Kamera lediglich eine Aufgabe übernehmen, die sie schneller und zuverlässiger erledigen kann als ich.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Hochzeitsfotografie. Selbst wenn ich mich während einer Feier im gleichen Raum befinde und sich an den vorhandenen Lichtquellen überhaupt nichts geändert hat, kann sich die Belichtung schon verändern. Etwas zur Seite gedreht, einen Schritt nach vorne gemacht, und schon können die Lichtverhältnisse ganz anders sein.

Würde ich dabei den ISO-Wert jedes Mal von Hand nachregeln, müsste ich ständig eine weitere Einstellung im Auge behalten. Mit Auto-ISO kann ich meine gewünschte Blende und eine ausreichend kurze Verschlusszeit festlegen und mich anschließend stärker auf das konzentrieren, was vor meiner Kamera passiert. Gerade bei einer Hochzeit ist gar nicht immer die Zeit, alle Einstellungen manuell nachzuregeln.

Auto-ISO unter Kontrolle halten

Ganz blind überlasse ich der Kamera den ISO-Wert allerdings nicht. Bevor es losgeht, schaue ich mir die vorhandene Lichtsituation an. Ich gehe bewusst in einen der dunkelsten Bereiche und prüfe, welchen ISO-Wert die Kamera dort wählen würde. Anschließend mache ich das Gleiche in einem helleren Bereich. Damit bekomme ich ziemlich schnell ein Gefühl dafür, innerhalb welchen Bereichs sich die Automatik während des Fotografierens bewegen wird.

Wenn ich weiß, dass die Kamera selbst unter den ungünstigsten Bedingungen nicht über einen ISO-Wert hinausgeht, mit dem ich noch problemlos arbeiten kann, kann ich Auto-ISO anschließend entspannt seine Arbeit machen lassen.

Die beste Einstellung ist die, die mir beim Fotografieren hilft

Für mich gibt es deshalb keinen Grund, aus dem manuellen Modus eine Glaubensfrage zu machen. Der Weg von der Vollautomatik über die Programmautomatiken bis zum manuellen Fotografieren ist sinnvoll, weil man dabei Schritt für Schritt versteht, was die Kamera eigentlich macht.

Aber wenn man dieses Wissen einmal hat, muss man nicht zwanghaft jede Einstellung selbst vornehmen. Im Gegenteil: Dann kann man ganz bewusst entscheiden, welche Kontrolle man selbst behalten möchte und welche Arbeit die Kamera übernehmen darf. Für mich bedeutet das heute häufig: Blende und Verschlusszeit bestimme ich, den ISO-Wert darf die Kamera übernehmen. Nicht weil ich es nicht selbst könnte, sondern weil ich mich lieber auf das konzentriere, was am Ende tatsächlich zählt – das Bild.

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