KI in der Fotografie – sinnvolles Werkzeug oder irgendwann zu viel?

a639fb8c 0768 4d31 80c1 79157c5d7c0c

KI ist längst Teil der Fotografie

Ob es einem gefällt oder nicht – Künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken – und aus der Fotografie ebenfalls nicht. Gerade in der Bildbearbeitung begegnet sie uns mittlerweile an allen möglichen Stellen – aber auch die modernen Kameras selbst haben selbstlernende KI integriert.

Und inzwischen braucht es nicht einmal mehr ein vorhandenes Foto: KI kann komplette Bilder erzeugen, die auf den ersten Blick durchaus wie Fotografien aussehen können. Für mich stellt sich deshalb weniger die Frage, ob KI in der Fotografie etwas zu suchen hat – denn sie ist längst da. Vielmehr ist die Frage, wo man für sich selbst die Grenze zieht.

KI erleichtert einem die Arbeit

Bei vielen Funktionen sehe ich überhaupt kein Problem. Ein gutes Beispiel sind die inzwischen wirklich hervorragenden Maskierungsfunktionen in LIGHTROOM. Möchte ich in einem Landschaftsbild beispielsweise die Bäume etwas aufhellen, kann ich sie automatisch auswählen lassen und anschließend die Belichtung entsprechend anpassen. Das ist für mich nichts anderes als eine enorme Arbeitserleichterung.

Früher musste man solche Bereiche teilweise mühsam mit dem Pinsel maskieren. Bei feinen Strukturen konnte das eine ziemlich langwierige Angelegenheit werden. Heute sage ich sinngemäß: LIGHTROOM, maskiere mir die Bäume. Das Gleiche funktioniert bei Portraits mit Augen, Haaren, Haut oder Kleidung. Das Ergebnis der Bearbeitung ist deshalb nicht grundsätzlich ein anderes als früher. Ich komme nur wesentlich schneller und einfacher dorthin. Und genau dafür darf Technik meiner Meinung nach auch da sein.

Darf KI auch etwas aus einem Foto entfernen?

Spannender wird es, sobald KI nicht mehr nur bei der Bearbeitung hilft, sondern tatsächlich den Inhalt eines Fotos verändert. Nehmen wir ein Hochzeitsfoto. Das Brautpaar steht wunderbar, Licht und Ausdruck passen – und irgendwo im Hintergrund steht ein parkendes Auto, das dort einfach stört.

Manchmal lassen sich solche Dinge bei der Aufnahme vermeiden, manchmal geben es die örtlichen Verhältnisse schlicht nicht her. Wenn ich dieses Auto anschließend mit mithilfe der KI aus dem Bild verschwinden lasse, ist das für mich vollkommen in Ordnung. Das Brautpaar stand tatsächlich dort, das Licht war so, die Situation hat stattgefunden und die eigentliche Bildgestaltung bleibt erhalten. Ich entferne lediglich etwas, das von meinem Motiv ablenkt. Wenn ich einem Brautpaar dadurch ein schöneres Foto überreichen kann, habe ich persönlich damit überhaupt kein Problem. Natürlich wurde das Bild verändert. Aber für mich wurde dadurch nicht die Geschichte des Bildes verändert.

Ab einem gewissen Punkt wird aus Bearbeitung Verfälschung

Ganz anders sieht es für aus, wenn aus demselben Hochzeitsfoto plötzlich etwas entsteht, das mit der tatsächlichen Situation kaum noch etwas zu tun hat. Stand das Brautpaar ursprünglich vor dem Standesamt und befindet sich nach der Bearbeitung bei Sonnenuntergang am Strand oder am Rand des Grand Canyon, wurde nicht mehr nur ein störendes Detail entfernt. Dann wurde eine neue Wirklichkeit geschaffen.

Technisch mag das beeindruckend sein und als bewusstes Composing kann so etwas durchaus seinen Reiz haben. Aber mit dem ursprünglichen Foto hat das für mich nicht mehr viel zu tun. Genau dort verläuft für mich eine wichtige Grenze: Ich kann ein Foto optimieren, aufräumen und auch störende Elemente entfernen. Sobald ich aber anfange, eine Situation vorzutäuschen, die niemals stattgefunden hat, sollte man das Ergebnis auch nicht mehr so behandeln, als wäre es eine normale Fotografie dieser Situation.

Und wenn überhaupt keine Kamera mehr im Spiel ist?

Noch eindeutiger wird es bei vollständig KI-generierten Bildern. Ich kann heute den Schiefen Turm von Pisa bei spektakulärem Sonnenuntergang erzeugen lassen, ohne jemals in Pisa gewesen zu sein und ohne auch nur eine Kamera in der Hand gehabt zu haben. Dagegen ist zunächst überhaupt nichts einzuwenden. KI-generierte Bilder können kreativ, lustig oder schlicht beeindruckend sein.

Kritisch wird es für mich erst dann, wenn ich dieses komplett erzeugte Bild beispielsweise auf Instagram veröffentliche und den Eindruck vermittle, ich hätte dort mit meiner Kamera gestanden, auf das perfekte Licht gewartet und anschließend dieses großartige Foto aufgenommen. Dann geht es nicht mehr um die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz, sondern um die Frage, ob ich andere bewusst über die Entstehung meines vermeintlichen Fotos täusche.

Die Grenze liegt für mich nicht bei der KI

Deshalb würde ich die Grenze auch nicht pauschal an einer bestimmten Funktion festmachen. Automatische Maskierung ist für mich völlig selbstverständlich. Das Entfernen eines störenden Autos ebenfalls. Ein komplett neuer Hintergrund kann als bewusstes Composing Spaß machen. Und auch ein vollständig generiertes Bild darf seinen Platz haben.

Entscheidend ist für mich, was man anschließend daraus macht und wie ich es anderen gegenüber darstelle. KI kann ein hervorragendes Werkzeug sein, das uns Fotografen Arbeit abnimmt und Möglichkeiten eröffnet, die vor wenigen Jahren noch unglaublich aufwendig gewesen wären. Sie wird für mich aber dort problematisch, wo aus Unterstützung Täuschung wird.

Fazit

Ich möchte KI in meiner Fotografie nicht missen. Alleine die Vorarbeit, die mir DxO PHOTOLAB vollautomatische bei der möglichst verlustfreien Entrauschung der Bilder leistet, spart mir enorm Zeit.

Es ist auch absolut OK, Bilder rein durch KI zu erstellen – dann darf ich das Ergebnis aber nicht als mein eigenes fotografisches Werk ausgeben und muss das Kind beim Namen nennen.

Vielleicht interessiert dich auch?

Mein Workflow für die Bildbearbeitung: DxO Photolab 9 – Adobe Lightroom – Photoshop

Kalle – verpasse keinen neuen Beitrag

???? Deine E-Mail wird nur für die Information
über neue Beiträge verwendet.
Kein Spam. Jederzeit abbestellbar.

Schreibe einen Kommentar